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Pädagogik
 

 
WISSENSCHAFT & FORSCHUNG

 

Fritze, Nicola: Erziehungsbedürftigkeit und Erziehungsfähigkeit des Menschen
(WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG, Band 9)
ISBN 3-925191-72-0 (07/1996)
94 Seiten, Kt, EUR 13,00

Berichte von den sogenannten "Wilden Kindern", Kindern, die von Tieren großgezogen wurden und jegliche menschliche Verhaltensweise entbehren, lassen eigentlich keinen Zweifel an der Notwendigkeit der Erziehung zu. Solange der Mensch zurückdenken kann, wurden Kinder in irgendeiner Art und Weise erzogen. Aber dennoch wird Erziehung immer wieder in Frage gestellt und diskutiert – bis hin zur totalen "Nicht-Erziehung". In der Auseinandersetzung mit den Grundpositionen der sogenannten "Antipädagogik", aber auch im Zusammenhang mit den vielstimmigen Forderungen nach mehr "Mut zur Erziehung" erhält die Frage nach der Erziehungsbedürftigkeit und der Erziehbarkeit des Menschen zentrale Bedeutung.
Das Buch möchte pädagogisch Interessierte, Lehrer, Erzieher und Studierende der Erziehungswissenschaft, anhand ausgewählter Positionen mit den wesentlichen Aspekten dieser Problemstellung vertraut machen und zur Stellungnahme sowie zur kritischen Reflexion anregen. Mit klaren und verständlich formulierten Ausführungen zu den anthropologischen Bedingungen der Möglichkeit von Erziehung stellt die Autorin eindeutige Zusammenhänge her. Die Darstellung der dreifachen Aspektierung der menschlichen Natur – als Person sowie als Kultur- und Sozialwesen – bezeugt in ihrer spannungsreichen Konzentration und überzeugenden sprachlichen Gestaltung das eindrucksvolle Niveau dieser Arbeit.

Inhalt

1. Einleitung
2. Was ist Erziehung?
2.1 Etymologische Ableitung des Wortes "erziehen"
2.2 Die Problematik der Begriffsbestimmung
2.2.1 Abgrenzung: Erziehung – Bildung und Erziehung – Lernen
2.2.2 Grundverständnisse von Erziehung
2.2.3 Übersicht über die unterschiedlichen Begriffsverwendungen
2.3 Erziehung ist Handlung
2.4 Erziehung ist soziale Interaktion und Kommunikation
3. Was ist Erziehungsbedürftigkeit?
3.1 Etymologische Ableitung des Wortes "Bedürftigkeit"
3.2 Definition der Erziehungsbedürftigkeit
4. Was ist Erziehungsfähigkeit?
5. Aufgaben der Erziehung
5.1 Erziehung als Enkulturationshilfe
5.2 Erziehung als Sozialisationshilfe
5.3 Erziehung als Personalisationshilfe
5.4 Erziehung zu Anpassung und Widerstand
6. Anthropologische Voraussetzungen der Erziehung
6.1  Naturwissenschaftliche Erkenntnisse zur Erziehungsfähigkeit und -bedürftigkeit
6.1.1 Biologische Unterschiede zwischen Mensch und Tier
6.1.2 Der Mensch – ein instinktreduziertes Wesen
6.1.3 Der Mensch – ein weltoffenes Wesen
6.1.4 Der Mensch – ein biologisches Mängelwesen
6.1.5 Der Mensch – eine physiologische Frühgeburt
6.2 Geistes- und sozialwissenschaftliche Erkenntnisse zur Erziehbarkeit und Erziehungsbedürftigkeit des Menschen
6.2.1 Der Mensch – ein Wesen mit Geist und Vernunft
6.2.2 Der Mensch – ein Kulturwesen
6.2.3 Der Mensch – ein soziales Wesen
6.3 Folgen von unzulänglicher und fehlender Erziehung
6.4 Zusammenfassende Betrachtung
7. Möglichkeiten und Grenzen der Erziehung
7.1 Begabung und Bildsamkeit
7.2 Die Auffassung der Erbtheoretiker und ihre Konsequenzen für die Erziehung
7.3 Die Auffassung der Milieutheoretiker und ihre Konsequenzen für die Erziehung
7.4 Das Wechselwirkungsmodell der Interaktionstheoretiker
8. Erziehung, Erziehungsfähigkeit und -bedürftigkeit  im Wandel der Zeit
8.1 Der Umbruch vom Mittelalter zur Moderne (17. Jahrhundert)
8.1.1 Comenius: Auf dem Weg zur Aufklärung
8.2 Das Zeitalter der Aufklärung: Das "pädagogische Jahrhundert"
8.2.1 Rousseau und seine "natürliche Erziehung"
8.2.2 Kant: Der Mensch ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht
8.2.3 Herder: Der erste Freigelassene der Schöpfung
8.3 Der Übergang ins 19. Jh.: Neuhumanismus und die deutsche Klassik
8.3.1 Schleiermacher: Erziehung ist Unterstützung und Gegenwirkung
8.3.2 Herbart: Bildung des "Gedankenkreises"
8.4 Das Zeitalter der Industrialisierung
8.5 Der Anfang des 20. Jahrhunderts
8.5.1 Key: Pädagogik des Wachsenlassens
8.6 Die Zeit des Dritten Reiches
8.6.1 Krieck: Erziehung als Lebensfunktion
8.7 Die Zeit nach 1945: Neubeginn und wechselnde Tendenzen
8.7.1 Flitner: Erziehung als menschliches Lebensphänomen
8.7.2 Buber: Entfaltung der schöpferischen Kräfte im Kinde
8.8 Zusammenfassende Betrachtung
9. Die Antipädagogik und ihre Stellung zur Erziehungsbedürftigkeit und -fähigkeit
9.1 Die Antipädagogischen Positionen
9.1.1 Braunmühl: Erziehung ist Kindesmißhandlung
9.1.2 Ostermeyer: Erziehung erzeugt, was sie abzuschaffen behauptet
9.1.3 Miller: Das Kind ist das Opfer der Erwachsenen
9.2 Erziehungsbedürftigkeit und -fähigkeit aus der Sicht der Antipädagogik
9.3 Kritische Auseinandersetzung mit der Antipädagogik
10. Schlußbetrachtung
Literatur