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TRANSLATIO
Editionen und Studien zum Übersetzungswesen
 
Herausgegeben von
Jürgen Leonhardt, Alberto Martino und Hans-Gert Roloff

 

d’Urfé, Honoré: Die Schäfferinn Astrea
Herausgegeben von Alfred Noe
(TRANSLATIO, Band 1)
ISBN 3-89693-237-3 (06/2004)
4 Bde., 2.188 Seiten, 22,7 x 15,3 cm, Kt., EUR 198,00
 
Der Forschungsstand zu den deutschen Übersetzungen der Astrée hat sich vor einiger Zeit durch die Untersuchung von Renate Jürgensen (Die deutschen Übersetzungen der »Astrée« des Honoré d’Urfé. Tübingen 1990) entscheidend verbessert, weil damit die erste spezielle Monographie über die beiden gedruckten zeitgenössischen Übersetzungen (1619 bzw. 1624-32) vorgelegt wurde. Dies ist um so wichtiger als die Astrée, der bekannteste französische Pastoralroman (1607-28) von Honoré d’Urfé (1567-1625), die Ausformung der höfisch-adeligen Kultur in Frankreich und, durch die weite Rezeption, in ganz Westeuropa nachhaltig geprägt hat. Die beiden zeitgenössischen Übersetzungen in das Deutsche übten daher mit ihren spezifischen stilistischen Merkmalen eine nicht zu vernachlässigende Wirkung auf die deutsche Erzählprosa in der Zeit von Martin Opitz aus. Sie stehen im Zeichen einer weit gefächerten produktiven Aufnahme der späthumanistisch-frühbarocken Literatur aus den als vorbildlich empfundenen romanischen Ländern wie Italien, Frankreich oder Spanien, welche – laut Auffassung der Zeitgenossen – besonders in dem vom Humanismus des 16. Jahrhunderts geweckten Bemühen um eine neue nationale Literatursprache, die an die Stelle des Lateinischen zu treten imstande wäre, weit vorgedrungen waren.
Die deutsche Übersetzung der Première partie stellt 1619 die erste Übertragung in eine andere europäische Literatursprache dar, beschränkt sich aber auf den ersten Teil des Romans. Bereits 1624-32 erscheint eine zweite deutsche Übersetzung (Teile 1-3 1624-25 in Halle bei Michael Oelschlegel und Teil 4 1632 in Leipzig bei Elias Rehefeld), die von Jürgensen mit überzeugenden Argumenten Carl von Barth zugeschrieben wird. Allerdings hält sich die Übersetzung des Dritten Teiles (Halle 1625) an das fragmentarische Original der Troisième Partie von 1619, d.h. sie enthält nur die ersten drei von später insgesamt zwölf Büchern. Die vorliegende Ausgabe schließt diese Lücke, welche durch die Fortsetzung mit dem Druck des vierten Teils 1632 offen gelassen wird, mit der Transkription der handschriftlichen Übersetzung von Ernst Adalbert v. Harrach, welche im Österreichischen Staatsarchiv (Allg. Verwaltungsarchiv, Familienarchiv Harrach, Handschriften) liegt, sodaß mit der vorliegende Ausgabe erstmals die Gelegenheit geboten wird, eine durchgehende Übersetzung des wichtigsten Schäferromans des beginnenden 17. Jahrhunderts zu lesen.
Die hier veröffentlichte handschriftliche Übersetzung des Dritten Teils ist ohne Zweifel ein wichtiges zusätzliches Dokumente in der Rezeptionsgeschichte des Romans, besonders für den von französischer Literatur zu dieser Zeit weniger aufgeschlossenen österreichischen Raum, und außerdem von großem Interesse für die Entwicklung der Schriftsprache in diesem Gebiet.

Inhalt des vierten Bandes
 
Schäffereyen/ Von der Astrée/ Vierdter Theil/
Anhang
Editionstechnik
Eingriffe des Herausgebers
Anmerkungen
Namensregister
Inhaltsübersicht
Die Bedeutung der Astrée in ihrem sozialen Kontext
Honoré d’Urfé – Leben und Werk
Die Editionsgeschichte der Astrée
Die Erzählstruktur der Astrée
Das Schäferleben in der Astrée
Die Philosophie der Liebe in der Astrée
Die Religion und die Magie in der Astrée
Die Astrée als historischer Nationalroman
Die Rezeption der Astrée
Die deutschen Übersetzungen der Astrée
Bibliographie