Home
 
Lieferbare Titel
 
Germanistik
 
Soziologie
 
Berlin- Literatur
 

 
Germanistik
 

Dittmar, Norbert / Bredel, Ursula: Die Sprachmauer. Die Verarbeitung der Wende und ihrer Folgen in Gesprächen mit Ost- und WestberlinerInnen
ISBN 3-89693-143-1 (11/1999)
208 Seiten, Ebr., EUR 20,00

Wie bearbeiten Ost- und WestberlinerInnen ihre Erfahrungen mit dem Mauerfall? Wie begegnen sich Ossis und Wessis in den ersten Stunden? Welchen Spiegel halten sie sich und den anderen vor? Mit welchen sprachlichen und kommunikativen Verfahren werden Irritation, Fremdheit und Euphorie des gesellschaftlichen Umbruchs bearbeitet? Und schließlich: Was ist sprachlich auseinandergewachsen, und welche Szenarien des sprachlichen Zusammenwachsens sind erwartbar?
Erzählt werden Geschichten über die sprachlichen Folgen einer 40jährigen Trennung, Geschichten über die Schwierigkeiten einer gemeinsamen Verständigung sowie Geschichten über die sprachliche Bearbeitung der Aufhebung der Trennung in Ost und West.
Die Sprachmauer ist ein sprachsoziologischer und diskursanalytischer Streifzug durch 60 Gespräche mit Ost- und WestberlinerInnen über den Mauerfall, die tagespolitischen Ereignisse zur Wendezeit, über Ossi- und Wessi-Identitäten, Erfahrungen mit Vergangenheit und Gegenwart, Mode, Markt und mehr.
Wesentliche Auszüge aus den sprachlichen Daten sind im Internet unter:www.userpage.fu-berlin.de/~nordit/index.html abrufbar.

Grazer Linguistische Studien 55 (Frühjahr 2001): “... Es ist schwer, der Vielschichtigkeit und Dichte dieses Buches, die sich in der Bearbeitung soziologischer, psychologischer, politischer und vor allem linguistischer Zusammenhänge zeigt, gerecht zu werden. Es fasziniert die Methodenvielfalt, es fasziniert die sukzessive und äußerst vorsichtige Herangehensweise an ein emotional sehr belastetes Thema und es fasziniert nicht zuletzt die Leichtigkeit des Stils, der es auch wissenschaftlich völlig unbedarften Menschen ermöglicht, dieses Buch mit Gewinn zu lesen.”

Prof. Dr. Norbert Dittmar lehrt Soziolinguistik an der Freien Universität Berlin.
Dr. Ursula Bredel ist Wissenschaftliche Assistentin an der Universität zu Köln im Bereich Didaktik der Deutschen Sprache.

Inhalt

1 Einleitung: Die Trennung – Die Mitgift – Die Vereinigung – Die Asymmetrie – Die Irritation: Was ist eigentlich passiert? – Wessis über Ossis
2 Narrative Interviews mit Ost- und WestberlinerInnen zum 9. November 1989
2.1 Die Interviewten und ihre sozialen Daten
2.2 Die Interviews und ihre Themen
2.3 Verschriftlichung der Aufnahmen (Transkriptionen)
2.4 Zur qualitativen Auswertung der narrativen Interviews
2.5 Die ersten Minuten: Gesprächseröffnungen
2.5.1 Die Westberliner Interviews
2.5.2 Die Ostberliner Interviews
2.5.3 Zusammenfassung
2.6 Das umgangssprachliche Verhalten der InformantInnen im Spiegel des Berliner Varietätenspektrums
3 Umbruch und ,kollektives Gedächtnis`
3.1 Warum ,kollektives Gedächtnis`?
3.2 Westliche und östliche Perspektiven auf die gleichen Ereignisse
3.3 West-östlicher Diwan I: Die Maueröffnung
3.3.1 OstberlinerInnen erzählen vom Mauerfall
3.3.2 WestberlinerInnen erzählen vom Mauerfall
3.3.3 Zusammenfassung
3.4 West-östlicher Diwan II: Den ,anderen` entdecken: Scheitern – Erkunden – Erobern – Inkorporieren
3.5 West-östlicher Diwan III: Gehen und Kommen, Geben und Nehmen
3.6 Ossis und Wessis – Fremd- und Selbsteinschätzungen
3.6.1 Soziale Identität und Stereotypen
3.6.2 Wessis über Ossis
3.6.3 Ossis über Wessis
3.6.4 Ossis über Ossis
3.6.5 Zusammenfassung
4 Registerwandel
4.1 Die Umwertung kollektiver Symbole – Ostalgie
4.2 Sprachkontakt und die Folgen
4.2.1 Versprecher: Phrasenkontamination – Satzkontamination – Reduktion – Valenzabweichung
4.2.2 Evidenzmarkierungen durch halt und eben
4.2.3 Rechtfertigungen und Begründungen durch denn und weil
4.3 Vagheit und kognitive Lockerungen
4.3.1 Selbstverortungen durch ich – du – wir – man
4.3.2 Die sprachliche Geste ins Leere durch so
4.3.3 Grundwertemarkierungen durch eigentlich
5 Der Dornröschenkuß
6 Literatur